Udo Geisler
Bildung als Chance

Stelldichein der Arbeitgeber - Dritte Berufswahlmesse an der Aletta-Haniel-Gesamtschule

Am 21. März öffnete die Aletta-Haniel-Gesamtschule ihre Türen zur dritten Berufswahlmesse. Rund 600 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 8 bis 10 trafen auf mehr als 30 Arbeitgeber der Region, um sich über Berufsbilder, Praktika und Ausbildungswege zu informieren. Der Einladung der Ruhrorter Schule und des Aletta Haniel Programms folgten auch 90 Schülerinnen und Schüler der Realschule Duisburg-Fahrn.

In ihrer Begrüßungsrede machte Schulleiterin Petra Drobek deutlich, dass der kommende Schulabschluss nur ein erster Wegweiser sei, die Berufswahl aber eine deutlich größere Weichenstellung für das weitere Leben darstelle. Daher ermutigte sie dazu, die Erfahrung und das Wissen der Unternehmensvertreterinnen und -vertreter zu nutzen, um sich über die verschiedensten Berufsbilder zu informieren. Auch für Michael Rüscher, Beigeordneter für Wirtschaft, Integration, Sicherheit und Ordnung für die Stadt Duisburg, ist die Berufswahlmesse ein wichtiger Beitrag, um junge Menschen und Firmen in Kontakt zu bringen. In seiner Ansprache beleuchtete er die guten Perspektiven auf dem Duisburger Arbeitsmarkt.

 

Berufserkundung mit VR-Brille

 

Für die Berufswahlmesse wurde die große Turnhalle für einen Tag in eine Ausstellungfläche umgewidmet. An den Ständen konnten die Schülerinnen und Schüler mit Personalverantwortlichen und Auszubildenden sprechen und so Informationen aus erster Hand erhalten. Teilweise ließen sich Berufsbilder auch anhand von technischen Instrumenten oder einer VR-Brille erkunden. Es präsentierten sich Arbeitgeber unterschiedlichster Branchen – von Einzelhandel und Pflege über Logistik und Industrie bis hin zu Stadtverwaltung und Bildungseinrichtungen. Sie alle stehen vor der Herausforderung, die passenden Talente für Ausbildungsstellen und Duale Studiengänge zu finden.

 

Personaler Steffen Opolony beispielsweise sucht 40 neue Azubis in unterschiedlichen Berufsbildern für das Logistikunternehmen Kühne+Nagel. Bei der Berufswahlmesse weiß er, dass die Schülerinnen und Schüler vorbereitet und mit Interesse auf ihn zugehen. Damit sei eine wichtige Hürde genommen, um erfolgversprechende Gespräche zu führen. Auch für Imke Steffen von der AWO Cura ist eine solche Veranstaltung lohnend: „Die Pflege ist von akutem Fachkräftemangel betroffen. Der Beruf ist sehr erfüllend, fordert aber auch einiges ab. Genau deshalb bieten wir Pflegeworkshops in Schulen an, führen Bewerbungstrainings durch und kommen auf Messen wie diese, um ein realistisches Bild zu zeichnen und für unsere jährlich 30 Ausbildungsplätze zu werben.“

 

Ein Jahr intensiver Vorbereitung

 

Noch ist die Durchführung einer Berufswahlmesse an einer Schule eher die Ausnahme, bedeutet sie doch viel Vorbereitungsarbeit. Einerseits braucht es Arbeitgeber, die sich engagieren und das Potenzial erkennen, Schülerinnen und Schüler als künftige Mitarbeitende zu gewinnen. Andererseits müssen die Jahrgänge gezielt auf eine Berufswahl und den Besuch einer Kontaktbörse vorbereitet werden.

 

Mit einem Jahr Vorlauf haben Jan Mattick und Tirapong Schier, beide Mitarbeiter des Aletta Haniel Programms, darauf hingearbeitet. „Bestenfalls profitieren alle Seiten. Für die Schülerinnen und Schüler findet der Kontakt zu möglichen Arbeitgebern im vertrauten Umfeld statt. Viele finden Orientierung, ein Praktikum oder sogar einen Ausbildungsvertrag. Die Firmen schätzen die professionelle Organisation bis hin zur Bewirtung und wissen, dass sie auf motivierte Talente treffen. Und für uns als Schnittstelle zwischen Kommune und Schule ist es ein toller Beleg unserer Arbeit.“

 

Aletta Haniel Programm als Motor

 

Dass die Stadt Duisburg ein reges Interesse an der erfolgreichen Vermittlung von Ausbildungsplätzen hat, ließ sich auch an der Präsenz des Kommunalen Integrationszentrums (KI) ablesen, an dem Mattick und Schier im Rahmen des Programms angestellt sind. Schewa van Uden hatte einst das Aletta Haniel Programm mit aus der Taufe gehoben und die Arbeit systematisch aufgebaut. Sie ist bis heute dem Programm eng verbunden und als Sachgebietsleitung im KI auch weiterhin dafür zuständig. Lag der Fokus anfänglich darauf, leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zum Abschluss zu begleiten, wurde das Wirkungsfeld ständig ausgebaut. Heute trägt das Programm mit verschiedenen Modulen zu einer ganzheitlichen Entwicklung junger Menschen bei. Hierzu gehören Nachhilfe und Trainings in sozialer Kompetenz, eine intensive Begleitung bei der Berufsorientierung und dem Berufseinstieg sowie Ausflüge, Hilfestellungen im Alltag und offene Gesprächsangebote. Das schafft Vertrauen, Motivation und Verlässlichkeit – Eigenschaften, die auch im Berufsleben gefragt sind.

 

Vorzeigeprojekt für Integration

 

Für KI-Leiter Marijo Terzic ist das Programm ein wichtiger Baustein bei der Integration. Duisburg ist seit jeher ein Ort mit vielen Migrationsgeschichten. Doch gerade die Zuwanderung der vergangenen Jahre stellt Verwaltung und Gesellschaft vor Aufgaben, die nur partnerschaftlich gelöst werden können. Dafür brauche es viel Engagement aller Seiten und gute Initiativen, die den Menschen strukturiert und unkompliziert zur Seite stehen. „In Duisburg bemühen wir uns um eine gelebte Willkommenskultur. Wir wollen, dass die Menschen nicht nur sprachlich ankommen, sondern sich qualifizieren können und als Teil der Gesellschaft verstehen. Dazu tragen auch Vorbilder in der Community bei. Eine der Hauptaufgaben ist es, den Armutskreislauf zu durchbrechen.“

 

Traumberuf Polizistin

 

Um 11 Uhr betreten die Neuntklässler die Turnhalle. Unter ihnen ist Ece Naz, die Teil des Aletta Haniel Programms ist und dabei viel Unterstützung erfährt. Sie freut sich auf die Berufswahlmesse und hat einen klaren Berufswunsch mitgebracht: Sie möchte Polizistin werden, weil sie für Menschen da sein will und Sicherheit und Ordnung liebt. Und sie weiß bereits, dass sie eine zweijährige Ausbildung durchlaufen und mit dem Fachabitur Polizei abschließen kann. Wie das konkret aussieht und welche Voraussetzungen sie braucht, darüber will sie sich am Stand der Polizei Duisburg informieren.

Von Haniel Stiftung