Sechs glückliche Uni-Absolventen
© Ian Johns
Stipendien in Deutschland

Talente erkennen und fördern

Gezielte Talentförderung schafft die Voraussetzung dafür, dass fähige junge Menschen ihre guten Ideen für die Gesellschaft umsetzen können. Dennoch müssen sich nach wie vor viele Stipendiengeber für die Art ihrer Förderung rechtfertigen. Das Engagement ehemaliger Stipendiaten zeigt aber: Die Unterstützung wirkt nachhaltig, und zwar weit über die Zeit des Studiums und den einzelnen Stipendiaten hinaus.

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wird die Zahl der Unter-20-Jährigen im Jahr 2050 in Deutschland auf 10,4 Millionen fallen und sich im Vergleich zum Jahr 1970 damit halbiert haben. Damit sinkt auch die Zahl derer, die künftig mit ihren frischen Ideen der Gesellschaft dringend gebrauchte Impulse für Innovationen geben. Umso wichtiger ist es, der schrumpfenden Gruppe der potenziellen Studenten helfend unter die Arme zu greifen. Wichtig ist vor allem monetäre Unterstützung. Schließlich stehen Finanzierungsprobleme ganz oben auf der Liste der Gründe, warum gute Abiturienten kein Studium beginnen. Hier setzt die Talentförderung in Deutschland durch Stipendien an, von denen derzeit etwa vier Prozent aller eingeschriebenen Studierenden profitieren.

„Das Stipendium war für mich ein lebensverändernder Schritt“, sagt Susanna Krüger heute. Sie, die als Erste in ihrer Familie den Schritt an die Universität wagen konnte, hat über ein McCloy-Stipendium an der Harvard Kennedy School studiert und sich mit Change-Prozessen in öffentlichen Organisationen beschäftigt. Heute ist sie geschäftsführender Vorstand der Nichtregierungsorganisation Save the Children  in Deutschland, der größten unabhängigen Organisation für Kinderrechte. Viele Kontakte, die sie schon als Stipendiatin geknüpft hat, nützt sie heute, um die Wirksamkeit humanitärer Arbeit zu steigern.

Auch der heutige Google-Deutschland-Chef hat als Student Auslandserfahrung in den USA gesammelt: „Das Haniel-Stipendium für mein Studium in den USA spielte eine wichtige Rolle für meine spätere Arbeit in amerikanischen Unternehmen“, resümiert Philipp Justus. Er wurde von Vertrauensdozenten und Ansprechpartnern bei seinem Stipendiengeber tatkräftig bei der Planung seiner Auslandssemester und Praktika unterstützt. „Meine Studienaufenthalte am Williams College und an der Northwestern University haben mich geprägt“, sagt der 47-Jährige.

Die Geschichten der beiden Führungskräfte stehen beispielhaft dafür, wie wichtig die Förderung verantwortungsbewusster und talentierter Menschen ist: Ohne eine finanzielle und fachlich-persönliche Unterstützung hätten sie ihre Wege vermutlich nicht so zielgerichtet einschlagen und verfolgen können.

Auch Sibylle Kalmbach konnte ihr Studienjahr in den USA nur mit Hilfe des DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) absolvieren. „Neben der finanziellen Absicherung hat mir das Stipendienprogramm Rückenwind und Bestätigung gegeben. Das ist für einen jungen Menschen einfach unglaublich motivierend“, schwärmt sie heute, fast 25 Jahre später. Die promovierte Biologin und stellvertretende Generalsekretärin der Studienstiftung des deutschen Volkes beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der hiesigen Stipendienlandschaft.

Drei Säulen der Begabtenförderung

Die erste Säule bei Stipendien für hoch motivierte und qualifizierte Studierende in Deutschland verkörpern die dreizehn Begabtenförderwerke. Dreizehn sind es, weil sie die Vielfalt der deutschen Gesellschaft widerspiegeln sollen: Manche von ihnen stehen Parteien oder Kirchen nahe, andere sind wirtschaftlich oder gewerkschaftlich orientiert. Einzig die Studienstiftung des deutschen Volkes ist politisch, konfessionell wie weltanschaulich unabhängig. Finanziert werden die dreizehn Institutionen in erster Linie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), das im Jahr 2014 für diese knapp 233 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat.

Die zweite Säule der Talentförderung in Deutschland existiert erst seit 2011 und spielt dennoch bereits eine tragende Rolle: Die Förderung nach dem Stipendienprogramm-Gesetz, besser bekannt als Deutschlandstipendium wird von den meisten Hochschulen in Deutschland vergeben. Sie legen den Bewerbungsprozess individuell fest. Die Mittel kommen zur Hälfte vom Bund und zur Hälfte von privaten Geldgebern, die die Hochschulen selbst anwerben müssen. 2015 erhielten knapp ein Prozent aller eingeschriebenen Studierenden die Förderung in Höhe von monatlich 300 Euro, die maximal ein Jahr lang ausgezahlt wird.

Das BMBF hat in den vergangenen Jahren immer mehr Mittel in diese beiden Säulen investiert. Konnten die Förderwerke im Jahr 2005 rund 13.400 Stipendien vergeben, profitierten 2015 bereits etwa 56.000 Studierende von Stipendien aus Bundesmitteln (das Deutschlandstipendium eingenommen).

© Dominic Tschoepe

Das McCloy Academic Scholarship Program macht es möglich: Ein Studium an der renommierten Harvard University

Schließlich existieren noch circa 2.000 weitere, teils lokale Stipendiengeber, die nach ihren Richtlinien und Vorstellungen Studierende unterstützen. Dazu gehört auch die Haniel Stiftung mit dem hochdotierten Haniel-Stipendienprogramm und dem McCloy-Stipendienprogramm, das sie teilfinanziert. Die Haniel Stiftung möchte vor allem junge Menschen fördern, die sich vom Bild des ehrbaren Kaufmanns anleiten lassen. „Die Mitglieder der Familie Haniel haben sich immer als verantwortungsvolle, unternehmerisch tätige Bürger gesehen. In den ausgewählten Stipendiaten möchten wir einen ähnlichen Geist entdecken“, sagt Rupert Antes, Geschäftsführer der Haniel Stiftung.

Die Mitglieder der Familie Haniel haben sich immer als verantwortungsvolle unternehmerisch tätige Bürger gesehen. In den ausgewählten Stipendiaten möchten wir einen ähnlichen Geist entdecken

Rupert Antes, Haniel Stiftung

Es ist eine Besonderheit, dass in Deutschland mehrere Institutionen mit der Talentförderung betraut sind. Dadurch wird die Gesellschaft besser abgebildet, als eine zentrale Förderstelle für Begabte es tun könnte. Schüler und Studenten fühlen sich dadurch eher angesprochen. „Außerdem sind die Stipendiaten in Deutschland in den normalen universitären Kontext – und damit in die Gesellschaft – eingebunden. Das ist etwa beim französischen System mit den Grandes Écoles, die nur für die Besten vorgesehen sind, ganz anders“, erläutert Sibylle Kalmbach einen weiteren Vorteil der Talentförderung hierzulande.

Eine veränderte Bewerberstruktur

Dem Vorwurf, nur eine geistige Elite zu fördern, sahen sich die Begabtenförderungswerke und andere Stipendien vergebende Institutionen lange Zeit ausgesetzt. Talente aus sozial schwächeren Schichten hätten kaum Chancen in ein Stipendienprogramm aufgenommen zu werden, hieß es. Noch 2009 überschrieb das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung eine Studie über Bewerber und Empfänger von Stipendien mit „Jung, ledig und aus gutem Hause“. Damals lag die Quote an Stipendiaten, deren Eltern keine Akademiker waren, bei gerade einmal 20 Prozent, während sie bei der Gesamtheit der Studierenden über 40 Prozent ausmachte. Die Begabtenförderungswerke haben auf diese soziale Schieflage reagiert. Die Studienstiftung des deutschen Volkes etwa hat 2010 die Selbstbewerbung zusätzlich zur Empfehlung durch Lehrer oder Professoren eingeführt, der bis dahin einzigen Bewerbungsmöglichkeit. Zum anderen wurden neue Wege gewählt, mehr engagierten Jugendlichen das Angebot an Stipendien näherzubringen, etwa das Botschafterprogramm (s.u.). Dadurch konnte die Erstakademikerquote unter den Geförderten auf 30 Prozent erhöht werden. „Es geht nicht um die Förderung von Eliten. Wir wollen junge Menschen unterstützen, bei denen zu erwarten ist, dass sie ihre besonderen Fähigkeiten zu Gunsten der Allgemeinheit einsetzen“, sagt Sibylle Kalmbach.  

Das deutsche Stipendienwesen ist sozial nach wie vor sehr selektiv

Mira Maier, Initiative für transparente Studienförderung

Für Mira Maier, die Gründerin der Initiative für transparente Studienförderung mystipendium.de ist aber in Sachen Talentförderung noch jede Menge zu tun: „Das deutsche Stipendienwesen ist sozial nach wie vor sehr selektiv“. Ihre Initiative hat gemeinsam mit der Stiftung Mercator die bisher größte Studie zur Stipendiensituation in Deutschland vorgelegt. Ein Befund lautet: Arbeiterkinder, Frauen und Studierende mit Migrationshintergrund sind bei Stipendien unterrepräsentiert. So haben sich etwa nur 59 Prozent der Studierenden mit niedriger Bildungsherkunft bereits für ein Stipendium beworben, wohingegen dieser Wert bei Studierenden mit hoher Bildungsherkunft bei 65 Prozent liegt. Während sich 65 Prozent der männlichen Studenten für eine Förderung bewerben, tun dies nur 63,5 Prozent der Studentinnen. Studierende mit Migrationshintergrund bewerben sich auf den ersten Blick genauso häufig wie solche, ohne Migrationshintergrund. Allerdings gilt dies nur für die Gruppe von Personen, die ihren Hochschulzugang nicht an einer deutschen Schule erworben haben. Alle Anderen sind bei den Bewerberzahlen unterrepräsentiert.

Insgesamt haben sich knapp 20 Prozent der Studierenden schon einmal für ein Stipendium beworben, etwa jeder Dritte davon erfolgreich. Die Nase vorne haben dabei Studierende von Universitäten vor Fachhochschülern.

Botschafter der Begabtenförderung

Bei der Öffentlichkeitsarbeit für ihre Stipendien setzt die Studienstiftung des deutschen Volkes seit fünf Jahren auf „Botschafter“: Das sind Stipendiaten, die auf Infotagen an Universitäten oder in Schulen von den Möglichkeiten der Talentförderung berichten. Dabei weben Sie ihren eigenen Lebenslauf und ihre persönliche Erfahrung ein. Auf den ersten Blick komplizierte Bewerbungsverfahren und undurchsichtige Auswahlkriterien werden so auf die persönliche Erfahrung einer Person runtergebrochen, wodurch der Bewerbungsprozess verständlich, weniger abstrakt und Stipendien plötzlich attraktiver werden. Im besten Fall gesellen sich zu den Botschaftern der Studienstiftung des deutschen Volkes noch solche anderer Förderwerke oder von Initiativen wie Arbeiterkind. „Durch den gemeinsamen Auftritt, spiele man die Stärke des deutschen Systems, also die Vielfalt der fördernden Institutionen, voll aus“, erzählt Kalmbach begeistert. Auch auf Facebook beantworten die über 500 „Botschafter“ regelmäßig Fragen angehender Stipendiaten. Daneben helfen simpel aufgebaute Suchmaschinen wie stipendienlotse.de oder auch mystipendium.de unkompliziert bei der Suche nach Förderprogrammen. Letztere will auch die Möglichkeiten der Studienfinanzierung durch Stipendien verständlich darstellen. Daher räumt die Initiative auf ihrer Website plakativ mit den „Fünf größten Irrtümern über Stipendien“ auf. Von „Es gibt nur wenige Stipendiengeber“ bis hin zu „Sich um ein Stipendium zu bewerben, dauert lange“, werden Vorurteile aufgearbeitet.

Wenn die Stipendiaten und Alumni diverser Programme an die Öffentlichkeit treten, dann bewirken sie dadurch noch etwas anderes: Sie geben dem System Talentförderung ein Gesicht. „Wir und andere Stipendiengeber müssen häufig erklären, warum die Förderung talentierter Menschen, die für die Gesellschaft Verantwortung übernehmen können und wollen, wichtig ist“, sagt Sibylle Kalmbach.

Die Botschafter geben dem System Talentförderung ein Gesicht.

Verantwortung übernehmen steht auch beim Haniel Stipendienprogramm und dem unter anderem von der Haniel Stiftung geförderten McCloy Academic Scholarship Program im Vordergrund. Ersteres feierte im November 2016 sein 25-jähriges Bestehen. Gefördert werden dabei begabte Studierende, die sich durch ihre Leistung, breite Interessen, ihre tolerante Persönlichkeit und soziale Verantwortung auszeichnen. „Nach 25 Jahren hat das Programm insgesamt 165 Stipendiaten ein Vollstipendium an Eliteuniversitäten auf der ganzen Welt ermöglicht. So wurden nicht nur individuelle Entwicklungen gefördert, sondern auch Interkulturalität und internationale Beziehungen gepflegt“, sagte Franz M. Haniel, Vorsitzender des Kuratoriums der Haniel Stiftung anlässlich der Jubiläumsfeier des Programms. Das Haniel-Stipendium gilt als eines der renommiertesten Stipendien für ein wirtschaftsbezogenes Aufbaustudium in Deutschland, jährlich bewerben sich etwa 220 Menschen um die sieben bis acht geförderten Plätze.

Eine ausbalancierte Kombination aus Leistung, Initiative und Verantwortung steht auch bei der Auswahl der Studierenden für das McCloy Academic Scholarship Program im Vordergrund.  Neben der Haniel Stiftung finanzieren die Harvard University, die McCloy-Stipendien-Stiftung im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und das Bundeswirtschaftsministerium das Programm gemeinsam. Es besteht seit dem Jahr 1983, die Haniel Stiftung trägt aktuell 80.000 Euro jährlich zum Fördertopf bei. Neben dem Ziel, die Stipendiaten für Tätigkeiten in öffentlichen und internationalen Organisationen zu qualifizieren, liegt der Kern des Programmes in der Vernetzung der Stipendiaten: „Mir sind das Netzwerk und viele von den Leuten sehr, sehr wichtig. Zu einigen der Stipendiaten habe ich sehr gute Arbeitsbeziehungen, auch auf internationaler Ebene. Das ist äußerst angenehm, weil man gewissermaßen dieselbe Sprache spricht“, sagt McCloy-Alumna Susanna Krüger. Auch Friederike von Reden, die von 2014 bis 2016 im Rahmen des Stipendiums an der Harvard Kennedy School studiert hat, ist vom Spirit der „McCloys“ begeistert: „Schon bevor man rübergeht (Anm. in die USA), wird man beim Jahrestreffen wie ein neues Familienmitglied in die ‚McCloy-Familie‘ integriert – das gefällt mir sehr.“

Kriterien für Stipendien

Wer sind eigentlich diese vier Prozent, die sich durch besondere Leistung für eine Begabtenförderung qualifizieren? Das gängige Gerücht, wonach nur die Jahrgangsbesten für ein Stipendium in Frage kommen, hält sich hartnäckig. Dabei ist der Abitur-Schnitt nicht das wichtigste Kriterium. Vielmehr werde bei der Bewerbung auf breit gestreute Interessen und außerschulisches oder -universitäres Engagement geachtet. Bei der Mehrheit der Stipendiengeber und Begabtenförderungswerke gibt es keinen auf alle Bewerber anwendbaren Kriterienkatalog. Das Engagement wird für jede Person individuell beurteilt „Wir schauen die Biografie eines Menschen an. Musste sich jemand ständig um seine jüngeren Geschwister kümmern oder mit einem Schülerjob zum Familieneinkommen beitragen, hatte der- oder diejenige vielleicht gar nicht die Möglichkeit, sich anderweitig stark zu engagieren?“, erklärt Kalmbach. Auch die Haniel Stiftung achtet auf die Ausgewogenheit der Vita und hinterfragt einzelne Stationen. „Wenn jemand sich auf vielen unterschiedlichen Feldern bewegt, fragen wir nach: Steht das jetzt nur da, um den Lebenslauf anzufüllen. Oder verbirgt sich dahinter echtes Engagement? Uns ist es lieber, ein Bewerber engagiert sich nur bei einem Verein, aber dafür richtig“, sagt Rupert Antes. Anna-Lena Winkler, Programmleiterin der Haniel Stiftung, ergänzt: „Wir achten auch auf die Persönlichkeit unseres Gegenübers: Welche Ziele verfolgt er? Ist er begeisterungsfähig? Engagiert er sich?“

Uns ist es lieber, ein Bewerber engagiert sich nur bei einem Verein, aber dafür richtig

Rupert Antes, Haniel Stiftung

In der Regel beginnt der Aufnahmeprozess mit einem Test oder einer Empfehlung und einer schriftlichen Bewerbung. Fällt diese positiv aus, wird man zu Gesprächen geladen. Die Studienstiftung des deutschen Volkes veranstaltet hierfür regelmäßig Auswahlwochenenden. Von Freitag bis Sonntag nimmt dann eine ehrenamtliche Kommission etwa 50 Personen in Einzelgesprächen und Gruppendiskussionen unter die Lupe. Jährlich durchlaufen so etwa 10.000 junge Menschen die Bewerbungsrunden. Am Ende des Auswahlverfahrens erfolgt dann die Entscheidung. Wie der Aufnahmeprozess im einzelnen erfolgt, zu welchem Zeitpunkt eine Empfehlung nötig ist und wer befugt ist, diese zu verfassen, darüber informieren die Stipendiengeber und Förderwerke in der Regel umfassend auf ihren Webseiten.

© Haniel Stiftung

Zur Kick-off-Veranstaltung des Haniel Stipendienprogramms gehört auch ein Besuch im Haniel Museum in Duisburg. An den historischen Schreibtischen begeben sich die Stipendiaten auf die Spuren der Familie und des Unternehmens

Finanzielle Förderung ist noch lange nicht alles

In erster Linie sind Stipendien ein Baustein, mit dem die Studienfinanzierung überhaupt leistbar oder deutlich vereinfacht wird. Der finanzielle Freiraum, der für viele ein Studium erst möglich macht, ist aber nur ein Grund, warum Stipendien so wichtig sind. Der andere Grund ist der Rückenwind, von dem Sibylle Kalmbach spricht. Den spürten viele Stipendiaten erst richtig, wenn sie die vielen Möglichkeiten zum Austausch mit Kommilitonen bei Veranstaltungen der Studienstiftung des deutschen Volkes erleben. „Immer wieder höre ich von Stipendiaten: ,Was die Förderung bedeutet, habe ich erst kapiert, nachdem ich selbst daran teilgenommen habe.‘ Zum Zeitpunkt der Bewerbung ist das vielen gar nicht klar“, erzählt Kalmbach.

Die Haniel Stiftung bietet mit den jährlich stattfindenden Stipendiatenseminaren eine langfristige Ideenplattform, bei der Dozenten Denkanstöße geben, und Alumni gemeinsam mit Stipendiaten angeregt diskutieren. Neben dem fachlichen Austausch, der immer zu einem bestimmten Thema erfolgt, wie etwa „Faires Wirtschaften“ oder „Social Entrepreneurship“, ist viel Zeit für individuelle Gespräche. Dabei werden wertvolle Kontakte geknüpft und Ideen diskutiert: „Ich mag die fruchtbaren Diskussionen bei den Veranstaltungen“, sagt Florian Forstmann. Der ehemalige Haniel-Stipendiat hat nach seinem Harvard-Studium den Spielwaren-Onlineshop myToys gegründet. Auch die „McCloys“ treffen sich einmal jährlich, um Impulsvorträge zu hören und sich untereinander auszutauschen.

Studien zeigen, dass die Bereitschaft von Stipendiaten, einen Teil ihrer universitären Ausbildung im Ausland zu absolvieren, im Vergleich zur Allgemeinheit der Studierenden deutlich höher ist: Zahlen der Studienstiftung des deutschen Volkes zeigen, dass fast drei Viertel der von ihr Geförderten eine gewisse Zeit an einer Hochschule im Ausland verbringen, während es bei der Gesamtheit der Studierenden nur 30 Prozent sind. Bei den Haniel Stipendien, wie dem McCloy Academic Scholarship Program, steht das Studium im Ausland im Vordergrund. Auf einzigartige Weise wird so der interkulturelle Austausch gefördert, wie McCloy-Alumnus Stefan Wisbauer erzählt: „Über einen Kurs an der Harvard Business School habe ich mit anderen Studenten einen ganzen Sommer im nahen Osten verbracht, um zusammen mit Israelis und Palästinensern brückenbauende Projekte zu entwickeln und bestimmte Handelsstrukturen, etwa in wichtigen Häfen, genauer zu analysieren.“

Man verliert die Angst vor Begegnungen mit Amtsträgern und bewegt sich auf internationalem Parkett viel sicherer

Susanna Krüger, Save the Children

Ein anderes Beispiel für den interkulturellen Beitrag, den Stipendien leisten können ist die jährlich stattfindende German American Conference at Harvard, die das Handelsblatt als „transatlantischen Gipfel“ bezeichnet hat. Führungskräfte aus Politik, Wirtschaft und dem Hochschulwesen sind bei der Veranstaltung anwesend, die von Studenten selbst organisiert wird. Mitglied des vierköpfigen Organisationskomitees war mit Frederic Rupprecht auch ein Haniel Stipendiat. Zu Gast als Redner waren unter anderem der ehemalige US-Korrespondent der ARD Ingo Zamperoni oder Weltbank-Präsident Robert Zoellick.

Die Auslandserfahrung erweitert auch die individuellen Kompetenzen die Stipendiaten, aber nicht nur auf fachliche Weise, wie Alumna Susanna Krüger erzählt: „Das Selbstvertrauen wächst und damit das Gefühl, dass sehr viel möglich ist. Man verliert die Angst vor Begegnungen mit Amtsträgern und bewegt sich auf internationalem Parkett viel sicherer.“

Ohne Stipendien wäre es für die ca. 1.500 Studierenden, die die Haniel Stiftung seit 1990 in all ihren Förderprogrammen unterstützt, schwierig geworden, diese wertvollen Erfahrungen zu sammeln. Diese schlagen sich im Berufsweg der Alumni nieder, wo soziale Verantwortung ein Leitmotiv ihres unternehmerischen Handelns ist. So kommt die Förderung einzelner fähiger junger Menschen schließlich einer viel größeren Gruppe zu Gute: der gesamten Gesellschaft.

Von Haniel Stiftung

Bewerbung

Haniel-Stipendienprogramm der Studienstiftung

Informationen zu Anforderungen und Leistungen finden Sie über die Studienstiftung des deutschen Volkes.
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McCloy Academic Scholarship Program

Das Merkblatt der Studienstiftung informiert Sie über Voraussetzungen und den Programmablauf.
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Auf der McCloy-Website lernen Sie die aktuellen und ehemaligen Stipendiatinnen und Stipendiaten des Programms kennen. 
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Weitere Links zu den Stipendien

Studienstiftung des deutschen Volkes
Harvard Kennedy School