© Nicolas Kutscher
Im Portrait: Stipendiat Nicolas Kutscher

Franz Haniel und die Buddenbrooks

Mit dem Roman "Die Buddenbrooks" und der Romanfigur Johann Buddenbrook kam Nicolas Kutscher zum ersten Mal mit dem Motiv des ehrbaren Kaufmanns in Berührung. Wir haben ihn gefragt, wie man das Haniel Leitbild des "Ehrbaren Kaufmanns" in der beruflichen Praxis umsetzen kann und was es für ihn bedeutet:

Wie alt sind Sie, Herr Kutscher, und wo kommen Sie her?

Ich bin 28 Jahre alt, in Wiesbaden geboren und mit neun Jahren nach Hamburg gezogen, wo ich mich beheimatet fühle.

Was haben Sie studiert?

Ich habe Jura in Freiburg studiert, inklusive eines Auslandssemesters in Genf. Nach dem ersten Examen bin ich nach Berlin gezogen und habe dort zwei Jahre über ein aktienrechtliches Thema promoviert und nebenbei in einer Wirtschaftskanzlei gearbeitet.

Mit Hilfe des Haniel-Stipendiums habe ich einen "Master of Law" an der Duke University in North Carolina absolviert. Für Duke habe ich mich, neben dem ausgezeichneten Ruf der Universität, insbesondere auf Grund des Studienumfeldes entschieden. Die Uni versprach eine authentische, amerikanische College-Campus-Experience. Anstatt in der Anonymität einer Großstadt unterzugehen, wollte ich die intellektuelle Atmosphäre eines großen (und unglaublich schönen) Campus' mit dem dazugehörigen Geist von jungem, ambitioniertem und diversifiziertem Wissensdurst erleben. Meine Erwartungen wurden insoweit nicht nur erfüllt, sondern weit übertroffen. Außerdem hat die Duke University School of Law einen Schwerpunkt auf dem Recht des geistigen Eigentums, was meinem akademischen und womöglich zukünftigen beruflichen Fokus ebenfalls entgegenkommt.

© Nicolas Kutscher

Nicolas am Tag der Graduation auf dem Campus der Duke University

 

Warum haben Sie sich für das Haniel Stipendienprogramm beworben?

r mich war von vornherein klar, dass ich meinen Traum an einer der Top-Unis in den USA zu studieren nur mit finanzieller Unterstützung in Gestalt eines Stipendiums würde verwirklichen können. Bei der Recherche nach geeigneten Ausschreibungen bin ich auf das Haniel-Stipendium gestoßen. Nachdem ich mich ein wenig informiert und festgestellt hatte, dass Haniel eines der höchstdotierten und begehrtesten Stipendien in Deutschland ist, habe ich mir ehrlicherweise keine besonders großen Chancen ausgerechnet. Dass ich mich dennoch beworben habe, lag insbesondere daran, dass ich das Gefühl hatte, abseits aller Noten und anderer "hard facts" persönlich gut zu den Zielen der Haniel-Stiftung zu passen.

Was verbinden Sie mit einem werteorientierten Unternehmer bzw. einem ehrbaren Kaufmann?

Das Motiv des ehrbaren Kaufmanns ist mir sehr vertraut und sympathisch. Tatsächlich hatte ich noch einen Aufsatz aus Schulzeiten zu dem Thema in der Schublade. Auch als juristischer Fachbegriff, der an einigen Stellen tatsächlich noch im Gesetz auftaucht, hatte mich der ehrbare Kaufmann bereits beschäftigt. Außerdem zählen die "Buddenbrooks" von Thomas Mann zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Der Roman ist ebenfalls stark von dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns durchdrungen - im Werdegang von Franz Haniel kann man auffallend viele Gemeinsamkeiten zu Johann Buddenbrook finden. Mich faszinieren seit jeher Persönlichkeiten, die diese drei Aspekte in ihrem Schaffen vereinen: Exzellenz in der eigenen Profession, klassische Allgemeinbildung und Verständnis für die schönen Künste sowie das, was man im alten Rom als virtutes bezeichnete - Tatkraft, Anstand, Verantwortung und Hilfsbereitschaft.

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"Mich faszinieren seit jeher Persönlichkeiten, die diese drei Aspekte in ihrem Schaffen vereinen: Exzellenz in der eigenen Profession, klassische Allgemeinbildung und Verständnis für die schönen Künste sowie das, was man im alten Rom als virtutes bezeichnete - Tatkraft, Anstand, Verantwortung und Hilfsbereitschaft" erläuert Nicolas Kutscher sein Verständnis von einem ehrbaren Kaufmann, wie es Franz Haniel einer war. 

Was würden Sie Bewerber*Innen empfehlen?

Während des Bewerbungsverfahrens habe ich versucht, meine ehrliche Sympathie und Begeisterung für die Anliegen und Aktivitäten der Haniel Stiftung zum Ausdruck zu bringen und die Juroren davon zu überzeugen, dass ich gut zu diesen Anliegen passen würde. Nicht, weil ich mich selbst in irgendeiner Weise als ehrbaren Kaufmann betrachten würde, sondern weil ich es als erstrebenswertes Leitbild für meine weitere Entwicklung sehe. So abgenutzt dieser Ratschlag also ist, irgendwie muss man im Bewerbungsverfahren versuchen sich selbst treu zu sein. In dieser Hinsicht, kann ich künftigen Bewerbern mit folgendem Hinweis aber wirklich Mut machen: Nachdem ich die Bewerber und insbesondere die Stipendiaten aus meinem und den letzten Jahrgängen kennengelernt habe, bin ich beeindruckt, wie offen die Stiftung und die Auswahlkommission gegenüber ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten und Lebensläufen sind. Es macht also Sinn, zu dem zu stehen, was einen persönlich ausmacht.

Ich bin beeindruckt, wie offen die Stiftung und die Auswahlkommission gegenüber ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten und Lebensläufen sind. Es macht also Sinn zu dem zu stehen, was einen persönlich ausmacht.

Nico Kutscher

Welche beruflichen Ziele haben Sie?

Nach meinem LL.M. werde ich im August das zweijährige Referendariat in Berlin beginnen. Was danach kommt, kann ich noch nicht mit Sicherheit sagen. Ich glaube allerdings auch nicht an den Nutzen des Kopfzerbrechens über abstrakte Langzeitpläne und Zukunftsvisionen. Stattdessen bin ich dafür, sich mit Leidenschaft und Ehrgeiz dem zu widmen, was in Sichtweite liegt. Die weiter entfernte Zukunft ergibt sich immer aus der näheren Zukunft und fällt nicht plötzlich auf uns herab. Dementsprechend hoffe ich, und bin optimistisch, dass sich während des Referendariats zeigen wird, auf welche Weise ich meine Erfahrungen, Fähigkeiten und Interessen zu etwas Sinnvollem einsetzen kann. 

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Nicolas während des Spring Break 2017 auf einer Kayaktour in Florida

Welcher Moment ist Ihnen aus Ihrer bisherigen Stipendienzeit besonders in Erinnerung geblieben?

Der einprägsamste Moment meiner bisherigen (noch kurzen) Stipendiatenzeit war das Auswahlwochenende. Ich denke, ich war nicht der Einzige, der mit gemischten Gefühlen angereist war: Ein ganzes Wochenende im Physikzentrum Bad Honnef, sich wieder einmal präsentieren zu müssen, insbesondere, wenn man gerade mit dem Abschluss der Promotion kämpft und bereits viele Monate voller Bewerbungen und Gespräche hinter sich hat, hat nicht unbedingt Vorfreude ausgelöst. Letztendlich war es eines der interessantesten und bereicherndsten Wochenenden meines Lebens. Angesichts der unterschiedlichen Lebensläufe und Vorhaben meiner Mitbewerber, der Diskussionen innerhalb der Gesprächsgruppen, die sich häufig in den Kaffeepausen fortgesetzt haben, sowie der Gespräche mit den Kommissionsmitgliedern, bin ich aus dem Staunen gar nicht mehr herausgekommen. Ein vergleichbares Umfeld, so viele gescheite, engagierte und aus unterschiedlichen Bereichen kommende junge Köpfe, habe ich sonst noch nirgends erlebt. Für diese intensiven und bereichernden Bekanntschaften bin ich äußerst dankbar!

Von Haniel Stiftung

Auf einen Blick: Das Haniel Stipendienprogramm

Gemeinsam mit der Studienstiftung des deutschen Volkes vergibt die Haniel Stiftung seit 1992 jährlich bis zu sechs Stipendien an Nachwuchsführungskräfte für ein wirtschaftsbezogenes Aufbaustudium im europäischen oder außereuropäischen Ausland. Dadurch qualifizieren sich die Studenten zusätzlich für Aufgaben in international tätigen Unternehmen und Organisationen.

Informationen zu Anforderungen und Leistungen enthält das Merkblatt zum Haniel-Stipendienprogramm. Mehr

Weitere Hintergründe finden Sie auf der Seite der Studienstiftung des deutsche Volkes. Mehr

Bewerbungsunterlagen können Sie sich hier herunterladen

FAQ zum Bewerbungsverfahren finden Sie hier

Fragen beantworten Ihnen gerne:

Studienstiftung des deutschen Volkes

Anne Wildfeuer
Tel.: +49 (0)228 82096-460
wildfeuer@studienstiftung.de

und

Haniel Stiftung

Anna-Lena Winkler
Tel.: +49 (0)201 806-365
awinkler@haniel.de