Internationaler Entrepreneur
© Stephan Brendgen
Im Portrait: Stipendiat Feng Gao

Ein internationaler Entrepreneur

Feng Gao lebt die Internationalität. Der 31-jährige spricht Chinesisch, Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch und Türkisch und hat bereits 35 Länder besucht. 2007 kam er nach Deutschland und studierte dort 3 Jahre BWL mit Schwerpunkt "Internationaler Handel" an der Hochschule Worms. Wir haben ihn sieben Jahre nach seinem Abschluss nochmal getroffen und gefragt, was er aus seiner Zeit dort mitgenommen hat.

Wie alt sind Sie, Herr Feng Gao, und wo kommen Sie her?

Ich bin 31 Jahre alt und komme aus der in China mit zwei Millionen Einwohnern eher kleinen Stadt Binhai in der Jiangsu Provinz.  Binhai ist etwa 400 Kilometer nördlich von Shanghai entfernt. 

Was haben Sie studiert?

In China habe ich Germanistik und Englisch an der Beijing Foreign Studies University studiert. Von dort kommen die meisten chinesischen Diplomaten. Mit dem Metro Haniel China Scholarship Program habe ich von 2007 bis 2010 an der Hochschule Worms BWL mit dem Schwerpunkt „Internationaler Handel“ studiert. Im Rahmen meines Studiums in Deutschland war ich für ein Auslandssemester in Istanbul und habe mich dort auf den Bereich „Finance“ und „International Business“ fokussiert. 

© Feng Gao

Feng Gao bei einem Besuch auf dem Franz-Haniel-Platz 2008

Warum haben Sie sich für das Haniel China Scholarship Program beworben?

Eigentlich wollte ich, wie viele ehemalige Kommilitonen, zunächst Diplomat werden. Während meine Studiums in Beijing habe ich dann aber ein starkes Interesse an wirtschaftlichen Fragen entwickelt. Um Kenntnisse im Bereich Wirtschaft und Management zu erwerben, wollte ich im Anschluss an mein Germanistik-Studium Wirtschaftswissenschaften studieren. Freunde erzählten mir dann vom Metro Haniel China Scholarship Programm der Haniel Stiftung, damals noch in Kooperation mit der METRO Group. Sie hatten sich bereits erfolgreich für das Stipendium beworben. Ich habe dann ein bisschen recherchiert und war gleich begeistert: das Programm war sehr praxisnah aufgebaut und wurde von einem internationalen Unternehmen, der METRO Group, unterstützt. Außerdem würde es mir ermöglichen, über mehrere Jahre hinweg in Deutschland zu leben sowie meine Sprachkenntnisse auszubauen. Als ich die Zusage bekommen habe, konnte ich es zuerst gar nicht fassen.

© Feng Gao

Feng Gao (Mitte) mit Mitgliedern der Auswahlkommission, darunter Dr. Rupert Antes, Geschäftsführer der Haniel Stiftung (zweiter von links), 2006 in Shanghai

Welche beruflichen Ziele haben Sie?

Ich bin in China geboren und aufgewachsen und habe in China, Deutschland und der Türkei studiert, in Chile, der Schweiz und Belgien gearbeitet und werde im Herbst mein MBA-Studium in den USA beginnen. Für mich ist es ganz klar: ich möchte in Zukunft in einem international agierenden Unternehmen arbeiten und dort meine interkulturelle und wirtschaftliche Expertise einbringen. Außerdem spiele ich mit dem Gedanken, eine eigene Firma zu gründen. Ich habe da schon ein paar Ideen …

© Feng Gao

Feng Gao an der University of Michigan

Was ist für Sie eine ehrbare Kauffrau oder ein ehrbarer Kaufmann?

Diese Frage möchte ich gerne mit einer persönlichen Geschichte beantworten:

Im Oktober 2010 habe ich meine erste Trainee-Stelle in Belgien angetreten und bin im Rahmen dieser Tätigkeit bereits zwei Monate später in die Schweiz gezogen. Das war mein 16ter Umzug innerhalb von drei Jahren. Eines Tages sagte mir mein Chef, dass meine Abteilung langfristig nach Singapur umziehen sollte. Allerdings war es mein Ziel, zunächst in Europa zu bleiben, um das Wirtschaftssystem hier besser verstehen zu lernen. Nun hatte ich zwei Möglichkeiten: Meinem Ziel treu zu bleiben oder der Entscheidung der Firma zu folgen. Ich entschied mich dafür, meinem Chef ehrlich zu antworten. Daraufhin entschied sich die Firma, mein Trainee-Programm nicht zu verlängern. Das war zunächst ein Schock für mich, denn ich hatte noch keine endgültige Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis. Aber ich war dennoch froh, meiner Überzeugung gefolgt zu sein und ehrlich zu mir und der Firma gewesen zu sein. Diese Standfestigkeit führte dann dazu, dass ich im selben Unternehmen eine Stelle als Product Manager in Deutschland angeboten bekommen habe.

Unter einem ehrbaren Kaufmann verstehe ich also Unternehmer, die integer und ehrlich sind, sich nicht verbiegen lassen und neben den wirtschaftlichen Interessen auch immer an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Gesellschaft denken.

Unter einem ehrbaren Kaufmann verstehe ich Unternehmer, die integer und ehrlich sind, sich nicht verbiegen lassen und neben den wirtschaftlichen Interessen auch immer an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Gesellschaft denken

Feng Gao

Was treibt Sie neben Studium und Beruf noch an?

Ich reise viel, da ich mich sehr für andere Kulturen und Sprachen interessiere, und war bereits in 35 Ländern. Neben Deutsch, Chinesisch, und Englisch habe ich Spanisch, Französisch, und Türkisch gelernt und will diese Sprachfähigkeiten weiter ausbauen.

Von Haniel Stiftung

Das (Metro) Haniel China Scholarship Program

Von 2003 bis 2012 vergab die Haniel Stiftung gemeinsam mit der METRO GROUP jährlich sechs Stipendien an Wirtschaftsstudenten aus der Volksrepublik China für ein BWL-Studium an der FH Worms. Im Jahr 2012 hat die Haniel Stiftung das „Haniel China Scholarship Program“ ins Leben gerufen und vergibt jährlich bis zu vier Stipendien an ausgezeichnete chinesische Studenten, die eine berufliche Laufbahn im Management eines international operierenden Unternehmens anstreben. Die Stipendiaten verbringen vier Jahre am Ostasieninstitut der Hochschule Ludwigshafen (OAI) und studieren dort „International Business Management East Asia“ mit Japan-Schwerpunkt. Während ihres Studiums lernen die Stipendiaten aus China die japanische Sprache und verbringen ein Jahr im Rahmen eines Auslandsstudiums und/oder Praktikums in Japan.

2015 wurde der vorerst letzte Jahrgang ausgewählt. Die vier Stipendiaten haben im Sommer 2016 ihr Studium aufgenommen. Mit ihrem Studienabschluss endet das Programm 2019 nach 17 Förderjahren. Insgesamt wurden in den beiden Programmen 74 Stipendiaten gefördert.