Eine Schülerin mit Kopftuch unterhält sich mit einem Schüler, der einen Hut trägt
© Alexander Muchnik
Schulabbrecherquote Null

Kooperationsprojekt Bildung als Chance

Ehrgeizige Ziele leiten eine der größten Collective-Impact-Initiativen Deutschlands. Und sie wächst weiter über sich hinaus.

Anfang 2009. Die Haniel Stiftung hat zum großen Treffen geladen. Am Konferenztisch in Duisburg sitzen drei der aktivsten Sozialunternehmen in der Region: Chancenwerk, Teach First und apeiros. Es geht um etwas, das es in der Stadt und über ihre Grenzen hinaus in dieser Form noch nicht gegeben hat.
Grenzen sind das Stichwort. Denn sie zu überwinden, ist Sinn und Zweck des Aufeinandertreffens.

Gemeinsam statt getrennt agieren

Die Idee: Für die höhere Sache die Kräfte zusammenzuführen. Denn wieso getrennt etwas gegen Bildungsarmut in Duisburg tun, wenn wir gemeinsam für die Kinder und Jugendlichen mehr erreichen können? Natürlich, dafür galt es erstmal, sich kennenzulernen und die eigenen Organisationen einander vorzustellen. Aber auch, gewachsene Denkmuster zur Seite zu schieben, um im offenen Austausch zu den Synergien zu finden. Die Haniel Stiftung agierte im Prozess des Zusammenfindens als Mittler und Förderer.

Der Anfang einer großen Idee

Dieses erste Treffen – weitere folgten – war die Geburtsstunde einer der größten Collective-Impact-Initiativen in Deutschland: die Erweiterung unserer Stiftungssäule „Bildung als Chance“ als gleichnamige Kooperation.
Collective Impact, hinter diesem methodischen Modell steht die Grundüberzeugung, dass immer komplexere gesellschaftliche Herausforderungen letztlich nur durch die Zusammenarbeit vieler sozialer Akteure gelöst werden können. Die Haniel Stiftung sieht sich hier als treibende Kraft.

Eine unerreichbare Mission?

Das tragende Element von Collective Impact ist die gemeinsame Mission. Was wollen wir durch die Kooperation „Bildung als Chance“ erreichen? Die Schulabbrecherquote signifikant senken – idealerweise auf Null. Mehr Chancengerechtigkeit erreichen: Bildungsbenachteiligungen und der soziale Hintergrund sollen kaum mehr eine Rolle spielen, um zum Schulabschluss zu kommen und einen fairen Zugang zum Arbeitsmarkt zu erhalten. Manche mögen sagen, diese Ziele seien nicht zu erreichen. „Bildung als Chance“ denkt hier anders: Gemeinsam wollen wir unser Möglichstes tun, um diese Vision Realität werden zu lassen. Das ist unser Antrieb.

Die Potenzierung der Wirkung

Die Zahlen belegen den Erfolg auf dem Weg zum Ziel: Die Initiative erreicht heute 1.500 Schülerinnen und Schüler in Duisburg. Aus anfänglich einzelnen Schulen sind rund 25 geworden, die auf die konzertierten Leistungen der drei Partner zurückgreifen. Zu diesen Leistungen gehört ein breites Spektrum sich ergänzender Angebote für die Kinder, Jugendlichen und Partnerschulen. Dazu gehören individuelle Förderprogramme und -angebote wie Co-Teaching, Beratung bei Schulverweigerung oder neue Formen der Lernunterstützung über sogenannte Lernkaskaden: Ältere geben jüngeren Schülerinnen und Schülern Nachhilfe und werden so zu Lernvorbildern.

Für ein Miteinander der Kulturen

Gemeinsam werden laufend neue Ideen erarbeitet. Und längst reichen die kollektiven Initiativen über die Klassenzimmer hinaus: Jugendkulturfestivals wurden initiiert – mit parallelen Workshops zu Musik und Tanz. „Außerschulische Lernorte“ wurden ins Leben gerufen – mit Kinonachmittagen und gemeinsamen Übernachtungen, organisiert von den Schülerinnen und Schülern. „Bildung als Chance“ trägt damit auch zu einem besseren Miteinander im multikulturellen Duisburg bei. Und die nächste Generation wird aktiv in die Planungen mit einbezogen.

Hallo Hamburg: BAC kommt an die Alster

Was an guten Erfahrungen in Duisburg gewonnen wurde, wird nun zum Vorbild für Hamburg. Die Collective-Impact-Idee wurde an die Alster exportiert. Seit 2019 ist hier „Bildung als Chance“ – kurz BaC – an drei Pilotschulen aktiv. Die Erweiterung auf mehr Schulen nicht ausgeschlossen. Es geht weiter darum, das Mögliche machbar zu machen – durch das Zusammenwirken der Kräfte. Fortsetzung folgt.

Die Partner

Teach First Deutschland gGmbH
Teach First Deutschland bringt persönlich wie fachlich herausragende Hochschulabsolventinnen und -absolventen aller Fachrichtungen an Schulen in herausfordernden Umfeldern. Dort arbeiten sie zwei Jahre als Fellows – Lehrkräfte auf Zeit – und schaffen gezielte Förderangebote für benachteiligte
Kinder und Jugendliche.

Chancenwerk e.V.
Chancenwerk ermöglicht Schülerinnen und Schüler aus finanziell schwächer gestellten Familien Zugang zu qualifizierter Nachhilfe: Oberstufenschülerinnen und -schüler erhalten zwei Schulstunden pro Woche kostenlos Nachhilfe von Studentinnen und Studenten. Im Gegenzug unterstützt jede Oberstufenschülerin und jeder Oberstufenschüler unter Anleitung wiederum jüngere Schülerinnen und Schüler in der Lernbetreuung.

apeiros e.V.
apeiros unterstützt Schulen dabei, Schülerinnen und Schüler, die nicht mehr oder immer unregelmäßiger zur Schule gehen, durch systematisches Fehlzeitenmanagement zu identifizieren. Darüber hinaus betreut die Organisation Schulabbrecherinnen und Schulabbrecher und bereitet sie auf den Wiedereinstieg in die Schule vor.

Von Haniel Stiftung

INFOMATERIAL

© Haniel Stiftung

Das Kooperationsprojekt „Bildung als Chance“ prägnant zusammengefasst:

Broschüre
Flyer

Unsere Erfahrungen aus sieben Jahren Kooperationsarbeit haben wir ebenfalls für Sie zusammengefasst: How to Bac!

Erklärvideos Bildung als Chance