Daniel Ogonowski mit Kommilitonen in Japan.
© Daniel Ogonowski
Im Portrait: Stipendiat Daniel Ogonowski

Tokio ist nie langweilig!

Die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Japan sind groß. Daniel Ogonowskis Motivation bremst das nicht. Im Gegenteil: Im Rahmen des deutsch-japanischen Doppelmasters an der Universität in Halle wird der 24-Jährige zum zweiten Mal in Japan studieren, um seine Kenntnisse über das Land, Kultur und Sprache zu vertiefen. Mehr über den Stipendiaten des Haniel Japan Programms im Steckbrief

Herr Ogonowski, wie alt sind Sie und woher kommen Sie?
Ich bin 24 Jahre alt und komme aus Paderborn in Nordrhein-Westfalen. Meine Mutter ist in Thailand geboren und lebt – seitdem sie meinen Vater geheiratet hat – in Deutschland. Aufgrund der Herkunft meiner Mutter hat mich Asien schon immer interessiert.

Welches Studium haben Sie absolviert – mit welchem Auslandsvorhaben?
Ich habe „International Businessmanagement East Asia“ mit Schwerpunkt „Japan“ am Ostasieninstitut der Hochschule Ludwigshafen studiert. Das Bachelorstudium verbindet die Betriebswirtschaftslehre, vor allem Management, mit japanbezogenen Ausbildungsinhalten. Ich habe vor Beginn meines Studiums keinerlei Vorkenntnisse in Japanisch gehabt und bin praktisch „von Null“ gestartet. Besonders wertvoll waren meine beiden Auslandssemester an einer Tokioter Universität, während derer ich das Erlernte zum ersten Mal anwenden konnte. Meine Japan-Faszination wuchs – ich wollte mehr über dieses Land lernen.

Daniel Ogonowski beim Sonnenaufgang mit japanischen Kommilitonen
© Daniel Ogonowski

Daniel Ogonowski beim ersten Sonnenaufgang 2017 in Enoshima, Japan. ...

Im Anschluss an Ihr Bacherlorstudium haben Sie sich für das deutsch-japanische Doppel-Master-Programm entschieden. Welche Ziele haben Sie sich dabei gesetzt?
Während meines Bachelorstudiums habe ich gelernt, wie wichtig ein gegenseitiges kulturelles Verständnis auf dem internationalen Arbeitsmarkt ist. Um meine Kompetenzen unter stetiger Herausforderung weiter auszubauen, habe ich mich für das Doppel-Master Programm entschieden. Von den individuellen Lehreinheiten erhoffe ich mir einen maximalen Lernerfolg. Gern möchte ich mein Japanisch später auf einem hohen wissenschaftlichen Level nutzen.

Wie sind Sie auf das Programm aufmerksam geworden?
Dank meiner guten Leistungen während des Bachelorstudiums hatte ich die Ehre, den Hanielpreis im Ostasieninstitut entgegenzunehmen und Teil des Alumni-Netzwerkes zu werden. Hier habe ich von der Möglichkeit gehört, meiner Leidenschaft für Japan in einem Masterstudium nachzugehen – da habe ich mich gleich beworben.

Was würden Sie Bewerber*innen empfehlen?
Das Erlernen der japanischen Sprache ist eine wirkliche Herausforderung und erfordert viel Fleiß und Leidenschaft. Die großen kulturellen Unterschiede zwischen Japan und Deutschland fordern gewisse interkulturelle Kompetenzen, die auf keinen Fall vernachlässigt werden dürfen. Der Wille, sich mit Neuem zu befassen und Fremdes zu akzeptieren, gehört zu den Kernkompetenzen dieses Studiums.

Der Wille, sich mit Neuem zu befassen und Fremdes zu akzeptieren, gehört zu den Kernkompetenzen dieses Studiums.

Daniel Ogonowski

Welche beruflichen Ziele haben Sie?
Ich strebe eine Position in einem international tätigen IT-Unternehmen an. Japan bietet sich für meinen Karrierestart daher ideal an. Ich bevorzuge ein Unternehmen, bei dem man Kritik offen äußern und Verantwortung übernehmen kann. Ich möchte als Vermittler zwischen Deutschland und Japan agieren und mein betriebswirtschaftliches sowie kulturelles Verständnis einbringen.

Was ist für Sie eine ehrbare Kauffrau oder ein ehrbahrer Kaufmann?
Ein ehrbarer Kaufmann ist für mich jemand, der für Unternehmen, Gesellschaft und Umwelt Verantwortung übernimmt und dem man ein gewisses Vertrauen entgegenbringen kann. Besonders im Kontext „Japan“ spielt der Begriff „Ehre“ eine wichtige Rolle, da ein Vertrauensverlust und der damit einhergehende Gesichtsverlust verheerende Folgen haben kann.

Was treibt Sie neben Studium und Beruf noch an?
Während meines Aufenthaltes in Tokio habe ich bei der Aoyama Gakuin University als „Chatleader“ gearbeitet. Dort hatte ich die Gelegenheit, mich mit Leuten aus der ganzen Welt zu unterhalten und erste wertvolle Erfahrungen im interkulturellen Austausch zu sammeln. Neue Leute kennenzulernen und mit diesen über Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu diskutieren, hat mir sehr großen Spaß gemacht.

Was genau macht ein „Chatleader“, Herr Ogonowski?
Anders als man vielleicht vermutet, hat die Arbeit des Chatleaders nicht online stattgefunden. Es gab an der Universität ein besonderes Gebäude, wo sich interessierte Studierende der Universität für eine Gesprächsrunde mit einem sogenannten Chatleader anmelden konnten. Dort wurde ein Stuhlkreis gebildet und von den Chatleadern eine Diskussion über diverse Themen initiiert. Die Interessenten waren hauptsächlich Japanerinnen und Japaner, aber es gab auch Leute mit koreanischer oder chinesischer Herkunft, die Interesse an einem Gespräch auf Englisch oder Deutsch hatten. Ich hatte jede Woche etwa drei Schichten, die jeweils ungefähr 45 Minuten dauerten. Dieses Konzept kam bei den Studierenden sehr gut an und Chatleader wurden auch für Nicht-Studenten eingesetzt. Teilweise waren es dann bereits arbeitende Erwachsene, die während ihrer Mittagspause oder nach der Arbeit auf ein Gespräch vorbeikamen. Außerdem boten Chatleader für Grundschüler und Schüler der Highschool die Gelegenheit Gespräche auf Englisch zu führen.

Worauf freuen Sie sich im nächsten Jahr am meisten? Was hoffen Sie zu erleben?
Am meisten freue ich mich auf das Leben in einer neuen Stadt. Darauf, neue Menschen kennenzulernen und schließlich auf den Auslandsaufenthalt in Japan. Die Keio Universität mit ihrem Campus im Herzen Tokios reizt mich besonders. Die öffentlichen Verkehrsmittel in Japan sind auf den ersten Blick zwar sehr kompliziert, aber sehr praktisch. In Tokio wird einem nie langweilig! Außerdem hoffe ich natürlich, dass ich meine Japan-Kenntnisse weiter vertiefen und meine Forschungen zum Thema Energieeffizienz und Nachhaltigkeit im Gebäudesektor Japans fortführen kann.

Gab es einen Moment in Japan oder eine Anekdote, die Ihnen in Erinnerung geblieben ist?
Ich persönlich fand die stereotype Assoziation zu Deutschland vieler japanischer Studenten sehr amüsant. Viele von Ihnen sprachen zum ersten Mal mit einem Deutschen und waren oft überrascht, dass wir Englisch so gut beherrschen. Wenn man diese Studierenden zu Deutschland befragte, waren die Standardantworten: „Deutsche lieben Bier und Würstchen.“ Überrascht waren diese dann auch, wenn ich ihnen erzählte, dass ich Bier eigentlich nicht so gerne mag.

Von Haniel Stiftung

Auf einen Blick: Haniel Japan Programm

Mehr zum Haniel Japan Programm
haniel-stiftung.de/japan-programm

Informationen zu Anforderungen und Leistungen enthält das Merkblatt zum Haniel-Japan-Stipendienprogramm.
Zum Merkblatt

Fragen zum Haniel-Stipendienprogramm beantwortet die Studienstiftung des deutschen Volkes
studienstiftung.de/japan-programm