Praxisorientierte Wissenschaftlerin
© Samantha Witte
Im Portrait: Stipendiatin Samantha Witte

Praxisorientierte Wissenschaftlerin

Strom ist eine wesentliche Ressource in unserer heutigen Welt. Nicht für alle ist er finanzierbar oder leicht zu bekommen, gerade in Entwicklungsländern. Die 25-jährige Deutsch-Nigerianerin Samantha Witte lässt dieses Thema nicht los: Was bedeuten Stromsektorreformen in Entwicklungsländern für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft? Wir haben mit ihr über ihre Erfahrungen gesprochen - und darüber, wie sie in Zukunft die Strom- und Energiepolitik mitgestalten möchte.

Wie alt sind Sie, Frau Witte, und wo kommen Sie her?

Ich bin 25 Jahre alt, wurde in Maskat, Oman geboren und bin überwiegend in München aufgewachsen. Als Deutsch-Nigerianerin fühle ich mich sowohl Deutschland als auch Nigeria sehr verbunden.

Was haben Sie studiert und welches Auslandsvorhaben haben Sie?

Ich habe zunächst Wirtschaftswissenschaften an der School of Oriental and African Studies (SOAS) in London studiert, um zu verstehen, wie meine beiden Heimatländer in ihren wirtschaftlichen Entwicklungsphasen so entscheidend auseinanderlaufen konnten. 

Sehr schnell wurde mir dann klar, wie stark der Einfluss der politischen Ökonomie auf die Wirtschaft ist. Ich habe verstanden, dass ich meine Fragen nur mit der „reinen Wirtschaft“ gar nicht erklären kann. Wirtschaft muss sich immer im Kontext der Politik betrachten. Das führte mich an die Johns Hopkins Universität und dessen School of Advanced International Studies (SAIS). 

Dort habe ich Wirtschaft vor allem im politischen Kontext der Entwicklungsländer betrachtet, mit dem Fokus auf die Energiewirtschaft. Vom Energiesektor war ich schon länger fasziniert, da ich in Nigeria von klein auf Stromausfälle mitbekommen habe. In letzter Zeit ist mir auf Heimatreisen aufgefallen, wie selbstständig sich Leute vom Hauptenergieversorger gemacht haben und privat von Kleinunternehmen Generatoren erwerben. Gleichzeitig hat die Regierung vor wenigen Jahren die ehrgeizigsten Stromsektorreformen Afrikas eingeleitet. Da kommt natürlich die Frage auf, was bedeutet das für die Umwelt, für die Armutsbekämpfung und für die Wirtschaft. 

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"Mich treibt die Frage um: Was bedeuten Stromsektorreformen in Entwicklungsländern für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft?" sagt Samantha Witte. Mit ihrer Arbeit möchte sie langfristig die Regelungspolitik mitgestalten.

Mein durch das Haniel Stipendium gefördertes Auslandsvorhaben ist ein zweijähriger Forschungsmaster in Economics an der Warwick University, der in die Promotion führen wird. 

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Samantha (Mitte links) leitet 2012 ihr Studententeam der SOAS beim Financial Literacy Training der Ebaukwa Gemeinde in Ghana an.

Warum haben Sie sich für das Haniel Stipendienprogramm beworben?

Mein Interesse am Stromsektor führte mich als erste berufliche Station zur Weltbank in Washington DC. Dort erarbeite ich seit zwei Jahren in der Energieabteilung Empfehlungen zum Thema Energiesektorreform in Entwicklungsländern. Wir versuchen, die Frage zu beantworten, welche Reformmaßnahmen wann funktionieren. Macht es Sinn, zu privatisieren und zu liberalisieren und falls ja, zu welchem Zeitpunkt?

Dieses Forschungsprojekt beeinflusst auf vielen verschiedenen Wegen entwicklungspolitische Entscheidungen. Es hat große Konsequenzen für die Infrastrukturprojekte, die die Weltbank selbst unternimmt, aber gleichzeitig sendet es auch eine starke Message an die Entwicklungshilfeempfänger der Weltbank. 

Diese Arbeit hat mir gezeigt, dass neue Erkenntnisse über entwicklungspolitische Fragen und Themen – in meinem Falle Stromsektorreformen – sich durch das trickle-down von Wissen direkt auf Maßnahmen „on the ground“ auswirken können. Als eine von der Praxis getriebene und von der Forschungsarbeit informierte Fachfrau möchte ich entwicklungspolitische Eingriffe und Ergebnisse systematisch prägen. In der Zukunft möchte ich an eben dieser Schnittstelle von Policy und Forschung arbeiten. 

Als eine von der Praxis getriebene und von der Forschungsarbeit informierte Fachfrau möchte ich entwicklungspolitische Eingriffe und Ergebnisse systematisch prägen.

Samantha Witte

Dafür benötige ich aber noch weitere Kenntnisse in der Forschung und im wirtschaftlichen Denken. Daher habe ich mich für den Forschungsmaster mit anschließender Promotion in Economics an der Warwick University entschieden. Hier besteht die Möglichkeit, eine Promotion abzuschließen, die nicht ausschließlich auf eine akademische Karriere abzielt. So kann ich vertiefende Forschungserkenntnisse erlangen und hinterher wieder in die Praxis zurückkehren.

Das Haniel Stipendienprogramm ermöglicht es mir, mich zwei Jahre voll und ganz auf das Studium zu konzentrieren. Darüber hinaus ermöglicht mir die Aufnahme in das Stipendiaten- und Alumninetzwerk der Haniel Stiftung und Studienstiftung den Austausch mit Nachwuchskräften aus unterschiedlichen Disziplinen. Ein solcher Austausch ist immer unheimlich bereichernd, da er neue Perspektiven aufzeigen kann. 

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Samantha (Mitte rechts) 2015 bei der Absolventenfeier der Johns Hopkins School of Advanced International Studies.

 

Was würden Sie Bewerber*Innen empfehlen?

Da fallen mir vor allem zwei Sachen ein: Zunächst solltet ihr wirklich voll und ganz von eurem Auslandsvorhaben überzeugt sein. So könnt ihr selbstbewusst im Bewerbungsprozess auftreten. Darüber hinaus würde ich euch empfehlen, aktuelle Stipendiaten und Alumni des Programms zu kontaktieren, um mehr über den Hintergrund der Haniel Stiftung und der Ziele des Programmes zu erfahren. Denn für mich ist das „Haniel Stipendienprogramm“ kein „Standardstipendium“, sondern geht viel tiefer. Alle Stipendiaten fühlen sich eng mit den Werten des ehrbaren Kaufmanns verbunden und versuchen diese in ihrer beruflichen Entwicklung umzusetzen. Sprecht vielleicht auch mit euren „Referees“, also euren Referenzschreibern darüber, so können sie das Schreiben hier für euch auch individuell anpassen.

Was ist für Sie eine ehrbare Kauffrau bzw. ein erbarer Kaufmann?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, denn es gibt meiner Meinung nach einen Unterschied zwischen dem theoretischen und dem gelebten Begriff, auch im Kontext von Politik und Globalisierung in der heutigen Zeit. Wenn ich an einen ehrbaren Kaufmann in theoretischen Sinne denke, dann denke ich an einen Unternehmer, der sich, seinen Mitarbeitern und der Gesellschaft gegenüber ethisch und nachhaltig handelt. Allerdings ist das in der heutigen Welt schwer umzusetzen, wenn man im Markt bestehen will. Deswegen glaube ich, dass der Begriff und die Existenz eines ehrbaren Kaufmannes auch sehr stark von der Regelungspolitik abhängt. Ich hoffe, dass es trotz der immer schwieriger werdenden Umständen dennoch immer mehr Unternehmen gibt, die sich aus Tradition und Überzeugung heraus wieder auf die grundlegenden Werte eines ehrbaren Kaufmanns besinnen und danach handeln.

Welche beruflichen Ziele haben Sie?

Ich möchte auch weiterhin im Energiesektor tätig sein und diesen aus verschiedenen Perspektiven heraus kennenlernen. Direkt nach der Promotion möchte ich daher wieder mehr in die Praxis und plane, direkt an der Projektfinanzierung von Infrastrukturprojekten mitzuwirken. Ich habe bisher vor allem wissenschaftlich mit dem Thema gearbeitet. Das wirkt sich natürlich indirekt auch auf Projekte aus. Aber ich möchte noch mehr über die Herausforderungen und Implementierung der Projekte direkt vor Ort im jeweiligen Land kennenlernen und mehr „on the ground“ arbeiten. Langfristig möchte ich gerne mein wissenschaftliches und praktisches Wissen anwenden und die Regelungspolitik mitgestalten, vorzugsweise in meinem Heimatland Nigeria.

© Samantha Witte

Während eines Mikrofinanzprojektes in Ghana nimmt sich das Studententeam um Samantha Witte (Mitte) Zeit, um die Natur Ghanas kennenzulernen.

Was treibt Sie neben Studium und Beruf noch an?

Ich liebe das Singen und singe seit vielen Jahren im Chor. Überall wo ich bis jetzt gelebt habe, habe ich mir als erstes einen Chor gesucht. Das ist ein wunderbarer Kontrast zum Studium und hat mir immer sehr geholfen, sofort Fuß zu fassen und mich heimisch zu fühlen. 

Von Haniel Stiftung

Auf einen Blick: Das Haniel Stipendienprogramm

Gemeinsam mit der Studienstiftung des deutschen Volkes vergibt die Haniel Stiftung seit 1992 jährlich bis zu sechs Stipendien an Nachwuchsführungskräfte für ein wirtschaftsbezogenes Aufbaustudium im europäischen oder außereuropäischen Ausland. Dadurch qualifizieren sich die Studenten zusätzlich für Aufgaben in international tätigen Unternehmen und Organisationen.

Informationen zu Anforderungen und Leistungen enthält das Merkblatt zum Haniel-Stipendienprogramm. Mehr

Weitere Hintergründe finden Sie auf der Seite der Studienstiftung des deutsche Volkes. Mehr

Bewerbungsunterlagen können Sie sich hier herunterladen

FAQ zum Bewerbungsverfahren finden Sie hier

Fragen beantworten Ihnen gerne:

Studienstiftung des deutschen Volkes

Anne Wildfeuer
Tel.: +49 (0)228 82096-460
wildfeuer@studienstiftung.de

und

Haniel Stiftung

Anna-Lena Winkler
Tel.: +49 (0)201 806-365
awinkler@haniel.de