© Marie Ullmann
Im Portrait: Stipendiatin Marie Ullmann

Bildung als Chance für eine gerechtere Gesellschaft

Unsere Stipendiatin Marie Ullmann hat schon verschiedene Bildungssysteme kennengelernt. Mit ihrem Master of Public Policy im Gepäck möchte sie sich in Zukunft für gerechte Bildungschancen einsetzen. Wir haben sie gefragt, wie sie an die Willy Brandt School of Public Policy gekommen ist:

Wie alt Sind Sie und woher kommen Sie Frau Ullmann?

Dieses Jahr habe ich ein viertel Jahrhundert geknackt. Meine Kindheit und Jugend habe ich zum größten Teil in einer der bewaldetsten Regionen Deutschland verbracht, in Siegen, ganz im Süden von NRW. Mit 16 hat mich dann die Neugier und das Fernweh gepackt. Ich habe meine sieben Sachen verstaut und einmal die Erdkugel umquert, um ein Jahr "Down Under" zur Schule zu gehen. Mein Opa war da sicherlich meine größte Inspiration, da er viel im Ausland gearbeitet hat und seine Erzählungen dazu beitrugen, mein Fernweh zu entwickeln.

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Marie Ullmann (in der Mitte) am Tag der Welcome Reception der Willy Brandt School für die neuen Studenten 2015.

 

Was haben Sie studiert und warum haben sie sich für ein Studium an der Brandt School entschieden?

Zurück im schönen Siegerland stellte sich mir dann die Frage nach der Studiumswahl. Ich entschied mich für Politik, was mich schon sehr lange faszinierte, angefangen von Diskussionen am Mittagstisch in der Familie bis hin zu den ersten Erfahrungen bei einer MUN (Model United Nations) an der Universität Siegen. Und da es mir im Ausland so gut gefallen hatte, war die Wahl schnell gefallen und ich startete einen Bachelor in internationale Beziehungen und internationale Organisationen in Europas Stadt mit den meisten Fahrrädern, Groningen in den Niederlanden. Während meiner Zeit dort habe ich dann noch ein Auslandssemester in Georgien gemacht, was mich vor allem aufgrund der geographischen Lage politisch interessiert hat, aber auch einen persönlichen Hintergrund hatte. Meine Familie hat während meiner Schulzeit für mehrere Monate eine Georgierin aufgenommen. Nach meinem Bachelorabschluss wollte ich dann im Master mein Wissen im Bereich der Entscheidungsfindung und Entwicklung im öffentlichen Sektor vertiefen. Hier lag ein Studium in Public Policy nahe. Damit sah ich die Möglichkeit, meine theoretischen Kenntnisse zu erweitern und so fit für die Zukunft zu sein. So kam ich auf die Willy Brandt School of Public Policy. Besonders gefiel mir, die Möglichkeit mit Studierenden aus aller Welt zu studieren: Meine Kommiliton*innen kamen aus 35 verschiedenen Ländern.

Was waren Ihre Pläne für ein Studium in Erfurt?

Mir war es vor allem wichtig, vertiefte theoretische Einblicke zu bekommen, aber auch praktische Erfahrungen zu sammeln, was ja ein Teil des Masters ist. Des Weiteren wollte ich verstärkt Einblicke in die verschiedenen Perspektiven aus dem so genannten Globalen Süden durch meine Kommiliton*innen bekommen. Dies sehe ich als essentiell an in der heutigen Welt, meiner Meinung nach wird das aber auf der globalen Ebene immer noch zu wenig in Betracht gezogen.

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Marie Ullmann (zweite von Links) beim Commitment Award der Willy Brandt School 2016.

Welche beruflichen Ziele haben Sie?

Ab September dieses Jahres werde ich ein sechsmonatiges Praktikum mit dem Carlo-Schmid-Programm bei der OECD, genauer im Education Policy Outlook Team, in Paris machen. Ich freue mich schon sehr auf diese neue Herausforderung und die Möglichkeit, erste Erfahrungen in einer internationalen Organisation zu sammeln. Bildung ist für mich persönlich ein sehr wichtiges Thema. Während der Vergangenheit habe ich Bildungssysteme in den verschiedensten Ländern kennen lernen dürfen. So habe ich Einblicke sammeln können und auch immer wieder gesehen, wie Bildung ein essentielles Element in der persönlichen Entwicklung ist, das Türen öffnen kann, aber leider nicht für jeden. Mich interessieren hier Fragestellungen auf der lokalen, nationalen sowie globalen Ebene: Wie können Bildungssysteme entwickelt werden, die Zugang bieten unabhängig vom Bildungsgrad der eigenen Eltern? Wie können Bildungssysteme auf die Veränderung in der Gesellschaft reagieren (z.B. die Integration von Flüchtlingen)? Wie können ‚best practices‘ von einem Land in einem anderen Land implementiert werden, das wiederum nicht vergleichbare Strukturen hat? Ich sehe Bildung als Chance für eine gerechtere Gesellschaft und auf der globalen Ebene als Grundstein für die Verbesserung des Gefälles zwischen dem Globalen Norden und Süden. Bildung macht Menschen zu selbstbestimmten und eigenständigen Agent*innen ihres Lebens. Ich hoffe, auch nach dem Praktikum in dem Bereich Fuß zu fassen.

 Ich sehe Bildung als Chance für eine gerechtere Gesellschaft und auf der globalen Ebene als Grundstein für die Verbesserung des Gefälles zwischen dem globalen Norden und Süden. Bildung macht Menschen zu selbstbestimmten und eigenständigen Agent*innen ihres Lebens

Marie Ullmann

Was verbinden Sie mit einer werteorientierten Unternehmerin bzw. einem ehrbaren Kaufmann?

Wichtige Werte für mich sind hier Fairness, Gerechtigkeit, Gleich(-berechtigung) und Nachhaltigkeit. Ich finde es dabei besonders wichtig, diese Werte zuerst auf der ganz interpersönlichen Ebene zu verfestigen, also von Mensch zu Mensch im Unternehmen, denn meiner Auffassung nach kann nichts im Großen erreicht werden, was auf der kleinsten Ebene nicht funktioniert

Was treibt Sie neben Studium und Beruf noch an?

Das sind meine Familie und Freunde. Ich bin in den letzten Jahren oft umgezogen, habe Neues erlebt, musste aber auch immer wieder Abschied nehmen, was mir nicht immer leicht gefallen ist. Dabei aber auch insgesamt sind sie mir eine große Stütze und Inspiration.

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Marie Ullmann (erste Reihe, zweite von rechts) bei der "European Identity Revisited Conference" 2017, die sie gemeinsam mit zwei weiteren Studenten organisiert hat.

Welcher Satz ist Ihnen aus Ihrer bisherigen Stipendienzeit besonders in Erinnerung geblieben?

Nun, das wäre sicherlich Willy Brandts Satz und der Leitspruch der Willy Brandt School: “The best way to predict the future is to create it". Ich denke, Willy Brandt ist ein gutes Beispiel, er hat einen großen Teil zur Wiedervereinigung Deutschlands beigetragen, was meinen Großeltern damals die Möglichkeit bot, ihre Verwandten in Ostdeutschland nach vielen Jahren wieder zu besuchen.

Von Haniel Stiftung

Auf einen Blick: Die Willy Brandt School of Public Policy

Unternehmerisches Denken und anwendungsbezogene analytische Methoden sind nicht nur in der Privatwirtschaft gefragt. Auch Entscheidungsträger in nicht gewinnorientierten Organisationen setzen sie ein – und treiben so den gesellschaftspolitischen Wandel voran. Deswegen unterstützt die Haniel Stiftung die Willy Brandt School of Public Policy bereits seit ihrer Gründung durch eine institutionelle Förderung und Stipendien für ein Studium an der Willy Brandt School of Public Policy.

Informationen zum Studium an der Brandt School finden Sie hier.

Informationen zum Stipendium finden Sie hier.

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Fax +49-361-737-4649

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