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Bildungschancen

5 FRAGEN AN...SENADA UND JASKARAN

Senada (16) und Jaskaran (17), aus Duisburg-Untermeiderich und Duisburg-Meiderich, sind Schüler*innen der 10. Klasse der Aletta-Haniel-Gesamtschule in Duisburg-Ruhrort und Teilnehmer*innen im gleichnamigen Aletta Haniel Programm. Das Programm hat zum Ziel, Schüler*innen auf ihrem Weg zum Schulabschluss und ins Berufsleben zu unterstützen. Schon bei den ersten Schulschließungen im März 2020 haben wir mit Jugendlichen aus dem Programm gesprochen. Nun wollen wir auch im zweiten Lockdown von den Jugendlichen erfahren, wie sie die Schulschließungen erleben, sich auf die Abschluss-prüfungen und den Start ins Berufsleben vorbereiten und mit ihren Freund*innen im Kontakt bleiben.

1. Wie habt ihr das Homeschooling im zweiten Lockdown im Vergleich zum ersten Lockdown erlebt?

Senada: Im März 2020 im ersten Lockdown hatte ich wenig Bock zu lernen und schlechte Noten. Am Anfang fiel es mir noch schwer, meinen Tag zu planen. Das ist jetzt anders. Der zweite Lockdown war viel besser – wir haben von der Schule Tablets bekommen und konnten alles online machen. Wir hatten jetzt also viel bessere Möglichkeiten, Zuhause unsere Aufgaben zu machen. Ich kann Zuhause gut lernen und habe mehr Zeit und Ruhe und werde weniger abgelenkt als in der Schule. Ich habe mich sogar echt verbessert und konnte meinen Notendurchschnitt im zweiten Lockdown von 3,5 auf 2,5 verbessern. Das liegt einfach daran, dass hier keiner dazwischenredet und mich ablenkt.

Jaskaran: Für mich war der erste Lockdown angenehmer und im Sommer konnte man dann wieder viel in Bewegung sein. Damals habe ich gar nichts Zuhause für die Schule gemacht. Jetzt im Winter bin ich viel mehr Zuhause und konnte mich notentechnisch sogar auch verbessern. Ich stand vorher auf einer 2,0 und habe jetzt einen Notendurchschnitt von 1,5. Ich freue mich aber, jetzt wieder teilweise zur Schule gehen zu dürfen und mehr Abwechslung zu haben. Sonst wird es schon irgendwann wirklich langweilig.

 

2. Wie sieht ein Schultag im Moment für euch aus?

Senada: Ich bin Langschläferin und mache das jetzt so, dass ich bis ca. 9 Uhr schlafe. Dann frühstücke ich und schaue jeden Tag als erstes auf iServ, also unseren Schulserver, über den wir mit den Lehrern kommunizieren und unsere Aufgaben bekommen. Da schaue ich, was als nächstes abzugeben ist und mache die Aufgaben fertig. Dabei mache ich es mir gemütlich mit Snacks und lerne dann in meinem Tempo. Dann helfe ich meiner Mama viel im Haushalt und gehe dann noch raus und treffe manchmal Freunde.  

Jaskaran: Ich stehe um 6 oder 7 Uhr auf, esse was und schaue dann fern oder verbringe Zeit mit meiner Familie. Um 9 Uhr fange ich dann mit der Schule an. Diese Woche hatte ich zum Beispiel 3 Aufgaben, die ich machen muss. Die habe ich heute alle an einem Tag geschafft. Die Aufgaben für die Woche kriegen wir per iServ und die Lehrer sagen uns Zeiten, wo wir Videokonferenzen haben und Fragen stellen können. Die Aufgaben, die wir abgegeben müssen, werden dann benotet. Wenn die Aufgaben ganz schwer sind und die Lehrer nicht gut erklärt haben, helfen wir uns mit ein paar Freunden gegenseitig. Am Anfang war es wirklich eine Katastrophe, da saß ich oft von 10-18 Uhr an meinen Aufgaben. Da habe ich mich viel ablenken lassen. Jetzt ist es inzwischen einfacher und ich schalte alles - inklusive Handy - beim Lernen ab. Dann bin ich spätestens um 15 Uhr fertig mit der Schule.

 

3a. Wie informierst du dich im Moment darüber, was du nach der Schule machen möchtest?

Senada: Ich habe erst kürzlich die Zusage für einen Ausbildungsplatz bekommen. Ich weiß seit zwei Jahren, dass ich gern Altenpflegerin werden möchte und habe mich viel informiert. Meine ganze Familie arbeitet in dem Bereich und ich habe meine Oma mit meiner Tante zusammen bis zu ihrem Tod gepflegt. Ich will Menschen einfach helfen und gute Taten tun. Gerade Menschen, die nicht mehr Zuhause leben können, brauchen Nähe. Ich wohne selbst bei meinen Großeltern, deshalb weiß ich das. Ansonsten ist mein Tipp für andere Jugendliche, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind: Man muss sich anstrengen und einfach machen, dann klappt das auch.

 

3b. Wie bereitest du dich auf die Abschlussprüfungen vor?

Jaskaran: Gute Frage. Mathe setzt mich sehr unter Druck. Hier kriege ich aber Extrastunden vom Aletta Haniel Programm und habe Nachhilfe bei Studierenden. Im Fach Deutsch mach ich mir weniger Druck, da bin ich gut und lerne ein bisschen im ZAP-Buch. Englisch ist auch kein Problem, weil wir sprechen auch manchmal Zuhause Englisch.

 

4. Wie kann euch das Aletta Haniel Programm im Moment helfen?

Senada: Frau van Uden hat mir die Ausbildungsstelle gezeigt. Sie ist immer eine große Hilfe. Ich habe im Moment auch Förderunterricht mit Studierenden in verschiedenen Fächern. Das findet immer am Freitag und online statt.

Jaskaran: Ich habe am Montag und Donnerstag jeweils eine Stunde Förderunterricht vom Aletta Haniel Programm. Zwischendurch habe ich immer wieder Gespräche mit Frau van Uden und Herr Schier, da hilft die AHP-Gruppe sehr. Mit Herrn Schier habe ich viel darüber gesprochen, was ich später als Beruf machen könnte. Wir sind zusammen meine Talente durchgegangen und Herr Schier hat sich dann Zeit genommen und ein paar Berufe vorgeschlagen. Ich schaue auch immer mal wieder bei YouTube Videos über Berufe an. Da bin ich auch auf die Jobs beim Zoll gekommen, die ich ganz spannend fände. Herr Schier hat mir auch KFZ-Mechaniker oder Tischler als Plan B vorgeschlagen, weil ich handwerklich geschickt bin. Beim Aletta Haniel Programm nehmen sie sich einfach Zeit und überlegen zusammen mit dir, wo deine Stärken liegen.

 

5. Wie gestaltet ihr euer Sozialleben? / Wie bleibt ihr mit euren Freund*innen im Kontakt?

Senada: Eine Zeit lang habe ich mich wirklich stark auf die Schule konzentriert und mich viel zurückgezogen. Da habe ich nicht mehr viele Freundinnen getroffen. Inzwischen treffen wir uns aber wieder oft draußen.

Jaskaran: Bei mir ist das ein Mischmasch. Ein paar Freunde treffe ich persönlich und sonst quatschen wir schon auch mal viele Stunden per Telefon oder spielen online Videospiele zusammen. Sonst verbringe ich viel Zeit mit meiner Familie. Wenn sich ein paar von uns treffen, dann gehen wir immer am Rhein spazieren und reden. Dass wir uns zuhause in einem kleinen Zimmer treffen, kommt nicht in Frage. Keiner hat Lust Corona zu kriegen. Ansonsten bin ich kein Schultyp, deshalb vermisse ich die Schule nicht wirklich. Ich lerne gerne, aber viele Jugendliche und auch manche Lehrer mag ich nicht so gerne. Bei den Lehrern würde ich mir wünschen, dass man sich mehr auf Augenhöhe begegnet. Und manche Jugendlichen sind einfach respektlos, da habe ich keine Lust drauf und halte mich raus. Aber ich habe ein paar sehr gute Freunde seit 13 Jahren, die haben alle eine ähnliche Einstellung und die sind mir wichtig.

 

Herzlichen Dank von der Haniel Stiftung an euch beide für das spannende Interview!

Von Haniel Stiftung