Portrait von Hilal Dönmez.
© Anke Jüntgen
Bildung als Chance

5 Fragen an... Hilal Dönmez

Hilal ist Chancenwerk-Schulkoordinatorin an der Aletta-Haniel-Gesamtschule in Duisburg-Ruhrort. Die Lehramtsstudentin ist schon seit vielen Jahren Teil des Kooperationsprojekts Bildung als Chance. In dem Format „5 Fragen an…“ möchten wir erfahren, was Hilal motiviert und warum sie sich schon seit Jahren für Bildungsgerechtigkeit engagiert.

Wie bist du zu Chancenwerk e.V. gekommen?

Zu Chancenwerk e.V. bin ich durch die Ruhr-Universität-Bochum gekommen. Dort hatte ich zuvor studiert und bin über den Mailverteiler der Hochschule auf Chancenwerk aufmerksam  geworden. Die Stellenausschreibung und das Profil des Vereins haben mich so beeindruckt, dass ich mich sofort aktiv engagieren wollte und mich im Juli 2014 beworben habe.

 

Was macht dir in der Betreuung der Schülerinnen und Schüler am meisten Spaß?

Allgemein die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bereitet mir sehr viel Spaß. Des Weiteren ist es super schön, schulischen Lernzuwachs zu beobachten und selbst aktiv unterstützen zu können. Zudem kommt es auch schon einmal vor, dass die Kinder zu uns angerannt kommen und direkt – natürlich ohne Begrüßung – von der guten Note berichten :) Es ist toll, ihre vielen kleineren und auch ihre größeren Erfolgserlebnisse mitzuerleben und zu sehen, wie sie sich verändern und Verantwortung übernehmen.

Es ist toll, ihre vielen kleineren und auch ihre größeren Erfolgserlebnisse mitzuerleben und zu sehen, wie sie sich verändern und Verantwortung übernehmen.

Hilal Dönmez

Wie sieht deine Zusammenarbeit mit den Partnern von BaC und dem Lehrerkollegium aus?

Mit dem ehemaligen Teach First Fellow, Sohrab Garakani, der momentan als Vertretungslehrer an der Schule tätig ist, besteht die Zusammenarbeit vor allem darin, dass er als Bindeglied zwischen der Schule und Chancenwerk agiert. Da Sohrab täglich an der Schule unterwegs ist, ist er ganz anders in die Interna involviert. Mit Chancenwerk sind wir zweimal pro Woche vor Ort. So hat uns Sohrab zu mehr Präsenz im Lehrerzimmer verholfen, indem er eine „Chancenwerk-Ecke“ eingerichtet hat. Die Lehrerinnen und Lehrer können dort die Anwesenheit der Kinder und Jugendlichen verfolgen, sich Steckbriefe der Lernkoordinatorinnen und Lernkoordinatoren ansehen sowie die eigenen Unterrichtsinhalte in eine Tabelle eintragen. So können wir die Schülerinnen und Schüler in der Lernförderung aufbauend auf den Unterricht der Lehrkräfte gezielt fördern.

Weiter haben Sohrab und ich in Zusammenarbeit beispielsweise die Maßnahmen an Konsequenzen der Schule für unsere Lernförderung beim Chancenwerk übernommen. Erhofft haben wir uns dadurch, dass die Schülerinnen und Schüler die Schule und Chancenwerk nicht als zwei separate Institutionen ansehen. Zudem haben wir einen Laufzettel entwickelt, mit dem die Lehrerinnen und Lehrer über das abweichende Verhalten der Schülerinnen und Schüler beim Chancenwerk im Vergleich zum Schulunterricht informiert werden.

Die Zusammenarbeit mit dem Lehrerkollegium und Chancenwerk besteht insbesondere in der Antragsstellung auf das Bildungs- und Teilhabepaket für die jeweils berechtigten Familien, da Unterschriften und in besonderen Fällen Stellungnahmen der Lehrerinnen und Lehrer dafür notwendig sind. Der Austausch über Organisatorisches erfolgt ausschließlich über die jeweiligen Stufenleitungen und verlief bisher immer problemlos und unkompliziert. Vieles hängt insbesondere von der Initiative und dem Engagement der Lehrerinnen und Lehrer ab. Vereinzelt kommt es vor, dass die besonders engagierten Lehrkräfte auf uns zukommen und uns auf neue Unterrichtsinhalte oder familiäre Probleme der Schülerinnen und Schüler aufmerksam machen.

©Hilal Dönmez

Hilal mit Schülerinnen aus ihrer Lernbetreuung.

Hat dir der Austausch durch „Bildung als Chance“, z.B. mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Teach First Deutschland und apeiros, bereits bei deiner eigenen Arbeit weitergeholfen? Wenn ja, wie?

Der spezielle Austausch über soziale und familiäre Hintergründe und/ oder Belastungen von einzelnen Schülerinnen und Schülern sowie im Allgemeinen der Austausch über pädagogische Konzepte hat mir bei meiner eigenen Arbeit definitiv weitergeholfen.

 

Was wirst du nie vergessen?

Ich weiß nicht warum, aber es gibt tatsächlich eine Szene, die ich wahrscheinlich nie vergessen werde. Es war meine erste oder zweite Woche in der Lernförderung und wie üblich haben die Schülerinnen und Schüler die Grenzen der „Neuen“ ausgetestet J. Als ich einen Schüler ermahnen wollte und seinen Namen genannt habe - mit der türkischen korrekten Artikulation -,  konnte ich ein linguistisches Phänomen beobachten: Der Schüler hat sich durch die muttersprachliche Aussprache wohl wie von seiner Mama ertappt gefühlt und ist mit der Aussage „Efendim abla?“ („Ja bitte, große Schwester?“) sofort ins Türkische übergegangen.

Von Haniel Stiftung

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