Zeit die Teach First Fellow Charlotte Bongard da Silva.
©Charlotte Bongard da Silva
Bildung als Chance

5 Fragen an...Charlotte Bongard da Silva.

Donnerstag hat das neue Schuljahr und mit ihm Charlottes zweites Einsatzjahr als Teach First Deutschland-Fellow an der Gesamtschule Duisburg-Meiderich begonnen. Als Fellow in Duisburg ist sie aktiv in das Kooperationsprojekt Bildung als Chance eingebunden. In unserem Format "5 Fragen an..." wollen wir wissen, was sie motiviert und wie ihr Arbeitsalltag aussieht.

1. Wie bist du zu Teach First Deutschland gekommen?

Nach meinem Masterstudium habe ich zwei Jahre lang in Aracaju, im Nordosten Brasiliens, gelebt. Dort habe ich begonnen als Sprachlehrerin an kleineren Sprachschulen zu arbeiten. Relativ bald habe ich zudem angefangen an einer Schule zu arbeiten, an der ich für ein bilinguales Sprachprogramm Schüler*innen des sechsten und siebten Jahrgangs unterrichtet habe. Diese intensive Arbeit mit jungen Menschen hat mir von Anfang an großen Spaß gemacht. Gleichzeitig bin ich auf die Schwierigkeiten des brasilianischen und bald auch des deutschen Bildungssystems aufmerksam geworden. Ich habe begonnen, mich privat sowie auf wissenschaftlicher Ebene mehr mit dem Thema Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit zu beschäftigen. In diesem Zusammenhang bin ich auf Teach First Deutschland gestoßen. Noch aus Brasilien habe ich mich beworben und bin erst kurz vor meinem Auswahlgespräch wieder nach Deutschland gekommen, um die nächsten zwei Jahre aktiv einen Beitrag zur besseren Entwicklung der deutschen Bildungslandschaft zu leisten.

 

2. Was macht dir in der Betreuung der Schülerinnen und Schüler am meisten Spaß?

Der direkte und persönliche Kontakt zu den Schüler*innen ist mir am Wichtigsten. Es ist toll zu erleben, wie viel man im Leben einzelner Kinder verändern kann, wenn man sich Zeit für sie nimmt und ihnen Vertrauen entgegenbringt. Viele der Schüler*innen, mit denen ich arbeite, haben ein sehr geringes Selbstwertgefühl, welches ihnen in ihrer Weiterentwicklung oft im Weg steht. Es macht unglaublich viel Freude, wenn man sieht, wie die Schüler*innen mehr Selbstvertrauen gewinnen und beginnen ihre Kreativität und Talente auszuleben.

Es gibt viele kleine Momente, die für mich unvergesslich geworden sind.

Charlotte Bongard da Silva

3. Wie sieht deine Zusammenarbeit mit Chancenwerk, apeiros und dem Lehrerkollegium aus?

Bisher sind Chancenwerk und apeiros nicht an meiner Schule vertreten. Deshalb beschränkt sich meine Zusammenarbeit mit beiden Partnerorganisationen bislang auf die konzeptionelle Arbeit und den inhaltlichen Austausch im Rahmen des BaC-Netzwerkes. Ich arbeite daraufhin, dass sich auch direkt an der Schule Möglichkeiten zur Zusammenarbeit ergeben.

 

Mit dem Lehrerkollegium meiner Schule arbeite ich auf vielen Ebenen eng zusammen. Einerseits bin ich mit einigen Kollegen direkt im Teamteaching, also gemeinsames Unterrichten, eingesetzt und habe so die Chance deren Arbeit zu unterstützen und einzelnen Schüler*innen auch während des Regelunterrichts zusätzliche Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Gleichzeitig versuche ich meine Kolleg*innen in bereits bestehenden Projekte außerhalb des Regelunterrichts zu unterstützen. Andererseits habe ich eigene Projekte mit den Schüler*innen, bei denen ich von meinen Kolleg*innen unterstützt werde, entweder aktiv, oder auch durch wertvolle Tipps. Zudem versuchen wir gemeinsam, bezogen auf Probleme einzelner Schüler*innen, Lösungsansätze zu erarbeiten.

 

4. Hat dir der Austausch durch „Bildung als Chance“, z.B. mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von apeiros und Chancenwerk, bereits bei deiner eigenen Arbeit weitergeholfen?

Der Austausch durch BaC hat mir geholfen, weil ich durch Nachfragen und Gespräche mit den Mitarbeiter*innen der anderen Organisationen die Möglichkeit hatte, einige meiner Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Projekten an der Schule oder mit einzelnen Schüler*innen klarer auf den Punkt zu bringen. Zunächst konnte ich die Projekte so für mich analysieren und strukturieren, damit ich sie danach mit den anderen besprechen und von den Erfahrungen der Gruppe Nutzen ziehen konnte. Schön wäre es, wenn ich es schaffen könnte, Chancenwerk und apeiros auch an meine Schule zu holen, um dort noch enger mit ihnen zusammenzuarbeiten.

 

5. Was wirst du nie vergessen?

Es gibt viele kleine Momente, die für mich unvergesslich geworden sind. Ein großer einzelner Moment ist schwierig zu greifen. Vielleicht kann ich hier am ehesten eines meiner Projekte beschreiben. Ich habe ein Coaching mit Schüler*innen gemacht, die im kommenden Schuljahr in ihrer Freizeit eine eigene AG anbieten wollen. Dabei war ich begeistert von den vielen tollen Ideen, die durch die Schüler*innen an mich herangetragen wurden und vom Enthusiasmus, mit dem sie sich in die Vorbereitungen für ihre eigenen Angebote gestürzt haben.

Von Haniel Stiftung
©Haniel Stiftung

Charlotte und andere Bildung-als-Chance Mitarbeiter*innen bei einem gemeinsamen Workshop im Dezember letzten Jahres.

Charlottes Einsatzschule